Das Wissen, dass wir nichts wissen
- Sabine Haas

- 14. Juni 2021
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Aug. 2021
Der bekannte Satz "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist genauso grotesk, wie das Leben an sich. Es ist eine menschliche Vorstellung, dass wir im Stande sind das Leben an sich verstehen zu können. So werden wir erzogen und von der Gesellschaft konditioniert. Ich lade dich aber ein dich hinzusetzten, ganz in Stille außen wie innen, und dich zu fragen: Was bedeutet Wissen? Schließ dazu die Augen. Beobachte die Gedanken die vorbeiziehen.

Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Wissen: das Wissen, was wir lernen können und was wir uns antrainieren mit unserem Verstand als ein brillantes Werkzeug. Unser Körper mit all seinen Sinnen ist unser Werkzeug, um diese Welt zu erfahren. Was aber ist das Wissen zu erkennen, dass wir nichts wissen? Gerade in Deutschland, im Land der Dichter und Denker, werden wir dazu erzogen immer alles wissen zu müssen. Wir versuchen rationale Erklärungen für Phänomene zu finden, die unseren Horizont überschreiten. Es ist ein mutiger Schritt zuzugeben etwas nicht zu wissen. Denn etwas nicht zu wissen erlaubt uns alles ganz neu zu erfahren.
Eine meiner Lehrerinnen sagte: " Wissen ist zu sagen: das ist ein Baum. Das ist ein Vogel. Wir nehmen uns damit die Sicht und die Möglichkeit jeglicher Fantasie." Wir haben eine festgefahrene Vorstellung, was ein Baum ist. Anders als Kinder, die einen unvoreingenommenen Blick auf die Welt werfen. Es ist unsere Freiheit zu erkennen was dahinter steckt oder einen eigenen Blickwinkel zu haben und so dem Nicht-Wissen Raum geben. Denn wenn ein Gefäß leer ist, kann ich es mit Neuem füllen. Nichts zu wissen gibt mir einen größeren Raum zu erleben. Der Verstand redet uns dazwischen und will eigentlich erklären, was nicht erklärbar ist. Warum wächst ein Baum gerade und einer schief? Warum haben wir angefangen uns miteinander zu vergleichen? Der Wald und die Bäume sind alle unterschiedlich, keiner vergleicht sich. Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Baumes macht die Schönheit aus. So sehe ich auch die Menschen. Es ist interessant zuzuhören und zu verstehen, dass jeder Mensch alles unterschiedlich wahrnimmt und fühlt. Letztendlich versuchen wir alle etwas herauszufinden, was wir nicht erfassen können. Dieser "höheren Macht" geben wir verschiedene Namen. Gott, Liebe, Universum. Aber letztendlich ist auch das ein Mysterium.
Es gibt allerdings einen Ort der Stille in dir, den Du erforschen kannst. Ich nenne ihn "das reine Sein". Da sind wir berührt von Etwas. Dort lassen wir Gedanken ziehen. Erklären kann ich diesen Ort auch nicht. Das kann nur erfahren werden. Es braucht Mut sich diese Zeit für sich selbst zu nehmen. Wir sind so verstrickt in unseren Alltag, unsere wichtigen Jobs, unsere Verpflichtungen als Eltern, als Partner und unsere Hobbys und Beschäftigungen. Wir sind ständig auf der Suche nach etwas neuem - eine Wohnung, einem Partner, einem neuen Job. Daher ist es wichtig sich davon zu befreien und diesen Ort des Alleinseins und der Stille in sich zu suchen. Das ist die Reise zu sich selbst - immer und immer wieder. Zu erkennen, dass es alles in uns selbst ist und das wir nichts anderes brauchen erfordert Mut und Bereitschaft.


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